Forum Postmigrantische Perspektiven

Im Forum „Postmigrantische Perspektiven“ rücken wir hybride und mehrdeutige Entwicklungen, ausgeblendete Geschichten und Stimmen der Migrationsgesellschaft ins Blickfeld.

„Migrantisch“ steht dabei für unseren Blick auf reale und konstruierte Unterschiede, auf soziale und symbolische Ungleichheiten.

„Post“ steht für eine Vision der Veränderung und Abschwächung dieser Ungleichheiten. Das Ziel: eine plurale und demokratische Migrationsgesellschaft, die nationale Erzählungen irritiert.

Gemeinsam mit Akteur*innen aus den pädagogischen Handlungsfeldern, Ehrenamtlichen, Studierenden und Wissenschaftler*innen diskutieren wir den restriktiven Umgang mit Migration, reflektieren wir eingespielte Gewissheiten und suchen nach Wegen, widerständig werden zu können.

Wintersemester 2022/23

Welche Geschichten werden erzählt? Welche bleiben ungehört? Wie werden kulturelle Archive gefüllt? Was wird erinnert, was wird weitergegeben und wie?
Mit „Counterstories“ richten wir im Forum Postmigrantische Perspektiven unseren Blick auf dekoloniale Gegengeschichten zu etablierten Erzählungen und Darstellungsweisen. Wir hören, erinnern und teilen Geschichten, die verdrängt oder nicht erzählt wurden und stellen hegemoniale Mainstream-Narrative in Frage.

Lesung "Texte nach Hanau"

Behshid Najafi

Sa, 03.09.2022 18.00 – 20.00 Uhr

Cafe Chapeau Kultur, MG-Rheydt

Während anderswo Karnevalsfeste das Geschehen bestimmten, litt ein großer Teil der Bevölkerung unter einem kollektiven Schock. In „Texte nach Hanau“ finden sich die Stimmen von 50 Menschen, die ihre Gefühle und Gedanken, Enttäuschungen und Erwartungen nach dem Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 zum Ausdruck bringen.
Behshid Najafi, Mit-Autorin, wird Texte aus dem Buch lesen und im Anschluss mit dem Publikum ins Gespräch gehen

Dieser Schmerz betrifft uns alle!

Charlotte Wiedemann, Ilias Uyar & Rahab Njeri

Mo, 17.10.2022 ab 19.00 Uhr

Forum VHS am Neumarkt in Köln

Charlotte Wiedemann kritisiert in ihrem aktuellen Buch „Den Schmerz der Anderen begreifen“, der deutschen Erinnerungskultur fehle jegliche Empathie für die Opfer deutscher Kriege und Kolonialverbrechen. Der Reichtum Deutschlands beruhe aber auch auf diesen Verbrechen, sie seien zudem bis heute der Nährboden für Ausgrenzung und tödlichen Rassismus. Im Gespräch stellt die renommierte Autorin zunächst ihre Thesen vor und nimmt Teil am Dialog über die Kölner Erfahrungen, die an diesem Abend besonders den Umgang mit dem Gedenken am Völkermord an den Armenier:innen in den Blick nehmen. Der Kölner Jurist Ilias Uyar von der Initiative „Völkermord erinnern“ berichtet über die Schwierigkeiten in der Stadt Köln ein Mahnmal zur Erinnerung an den Genozid aufzustellen. Die Kölner Historikerin Rahab Njeri, die unter anderem im Expert:innenrat zur Kolonialgeschichte Kölns tätig ist, spricht über ihre Vorstellungen wie Köln zu „dekolonialisieren“ ist. In Ihrem Buch fordert Wiedemann dazu auf die eigene Haltung zur deutschen Geschichte aus einer kosmopolitischen Perspektive neu zu begründen: „Das heißt: nicht-europäische, nicht-westliche Sichtweisen ebenso einbeziehen wie die Ansprüche einer jungen, diversen Generation in Deutschland.“ Dazu möchte die Kooperationsveranstaltung beitragen. Die Veranstalter*innen sind:
Kölner Initiative Völkermord erinnern
Forum Postmigrantische Perspektiven (AWO Mittelrhein)
Volkshochschule Köln
Stimmen Afrikas

'Unsere' Geschichte neu schreiben. Wie postkoloniale Perspektiven andere Räume öffnen

Dr. Mark Terkessidis

Mi, 19.10.2022 17.00 - 18.30 Uhr

digital via Zoom

In den letzten Jahren ist der deutsche Kolonialismus ein neuer Teil der Erinnerungskultur geworden. Allerdings stellt die postkoloniale Perspektive eine Herausforderung für die bisherigen Erzählungen von Geschichte dar, zumal in Deutschland zunehmend Menschen leben, deren Vorfahren von den imperialen Ansprüchen oder kolonialen Praxen Deutschlands betroffen waren. Mark Terkessidis setzt sich im Vortrag mit diesen Herausforderungen auseinander und fragt: „Was ist "unsere" Geschichte? Was und wie sollte erinnert werden? Wie kann die Vergangenheit multiperspektivisch erzählt werden? Welche Bedeutung haben Objekte in Museen?“. Die Herausforderungen der postkolonialen Perspektive können, so Terkessidis, zu einem kreativen Prozess werden, der andere Räume öffnet.

Anti-migrantischer Vigilantismus: Einsichten aus dem Prozess gegen Bähner (Tatort Köln-Porz)

Çağan Varol

Mi, 02.11.2022 17.00 - 18.30 Uhr

digital via Zoom

Im Winter chillen drei junge Männer am Rheinufer. Ein Anwohner, Sportschützenausbilder und damaliger CDU-Bezirksrat fühlt sich von diesem Szenario gestört und ruft der Gruppe rassistische Beleidigung wie „Haut ab ihr K*“ und „Drecksausländer“ entgegen. Plötzlich feuert er aus nächster Nähe mit einer unregistrierten Schusswaffe auf einen der Heranwachsenden. Ein 20-jähriger wird schwer verletzt, er überlebt nur mit Glück.

Das ist passiert!

Ein Vorfall, der als banale Ruhestörung begann, führte am 30. Dezember 2019 im Kölner Stadtteil Porz fast zum Tod eines Menschen. Das Bündnis „Tatort Porz – Keine Ruhe nach dem Schuss“ begleitet und kommentiert den Prozess. Çağan Varol spricht als Prozessbeobachter über den Tathergang, die Akteur*innen und deren Umgang mit dem Fall. Wie lassen sich die rechts-bürgerlichen Haltungen in das Phänomen des Vigilantismus einordnen?

Weitere Infos zum Fall und dem Bündnis: https://tatort-porz.org

Den öffentlichen Raum dekolonisieren und einen Perspektivwechsel organisieren

Tahir Della & Anna Yeboah

Mi, 30.11.2022 17.00 - 18.30 Uhr

digital via Zoom

Das Projekt „Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt“ greift die immer lauter werdenden Forderungen nach einem konsequenten Perspektivwechsel in der postkolonialen Erinnerungskultur auf. Statt kolonialer und kolonialrassistischer Akteur:innen sollen fortan die Opfer und Gegner:innen von Kolonialrassismus und Ausbeutung Aufmerksamkeit und Würdigung erfahren. Tahir Della & Anna Yeboah berichten über das Berliner Kulturprojekt, das seit 2020 läuft.